18. November 2017

Im Inneren


Ein Schweben zwischen Hoffnung, Liebestaumel, Zweifeln und Angst.
Ein Gefühl zwischen Neuanfang, Neuorientierung und Sesshaftigkeit.
Gedanklich zwischen möglichen Zukunftsplänen und dem großen Zögern .
Gespalten zwischen beständiger Konstanz und stetiger Veränderung.

Glücklich in Gesellschaft und doch viel zu gern allein.
Muss man erst alles Hinterfragen um dann doch sicher zu sein?
Fühle mich taumelnd wie Kind, das gerade seine ersten Schritte geht
und doch so selbstsicher wie ein Krieger, der in die Schlacht zieht.
Meine Selbstzweifel und mein Selbstbewusstsein auf dem Weg zur Kollision,
unaufhaltbar wie zwei Protonen im Teilchenbeschleuniger von CERN .
Teilweise erfroren im Gedanken, sie könnten miteinander verschmelzen.
Seh' ich den schwarzen Hund in weiter Ferne winken und doch wirkt er so nah.
Als wäre er gleichzeitig direkt an meiner Seite und Kilometerweit entfernt.
Sein Schatten oft Spürbar und doch steh ich in vollem Licht.
Meine Augen sind geschlossen, aber niemand, der mich führt.
Kann mir nur schwer selbst vertrauen, die Augen öffnen, will ich nicht.

Sag mir selbst: "Der Weg ist das Ziel", doch sicher bin ich nicht.
Also wandel' ich weiter umher zwischen Schatten und Licht, Regenbogen und Sturm.
In der Hoffnung, dass meine Seele nicht nochmal zerbricht.

12. November 2017

An die Frau, die mich immer kritisiert..

Hallo,


Hallo du, mich immer wieder kritisierende Frau, die mir immer wieder, mit ihren Blicken, Äußerungen und Lauten, zeigt, dass sie wenig von mir hält. Die mir offen zeigt, dass sie von meiner Art zu leben und zu lieben nicht überzeugt ist. Die mir immer wieder klar macht, dass ich ständig und immer etwas falsch machen würde. 
Eigentlich wollte ich mit einer Reihe von Entschuldigungen beginnen. Aber weißt du was? Als ich darüber nachgedacht habe & mich damit befasst habe, was ich doch alles aus deiner Sicht falsch mache, wurde mir klar: Ich möchte mich gar nicht entschuldigen. Denn tief im Inneren tut es mir nicht im Ansatz leid. 
Ich möchte mich nicht dafür entschuldigen, dass ich manchmal immer noch leichtfüßig durchs Leben tanze. Denn es tut mir gut Leichtigkeit in mir zu spüren und sie nach Außen zu tragen. 
Ich möchte mich nicht dafür entschuldigen, dass ich mit Mitte 20 noch keine Kinder habe & auch noch nicht verheiratet bin. Im Gegenteil: Ich hätte dieser Aufgabe bisher einfach nicht gerecht werden können. Ich hatte viel zu viele Ängste, Zweifel und Bedenken zu mir selbst - wie hätte ich da einen Mann ganz und gar glücklich machen können oder Kinder zu selbstständigen, ehrlichen, lebensfrohen Menschen erziehen sollen?
Ich möchte mich nicht dafür entschuldigen, dass ich eine unendliche Hoffnung und einen Glauben an das Gute im Menschen habe. Denn ohne Hoffnung würde ich heute nicht stehen, wo ich stehe. Hätte ich nicht die Hoffnung gehabt, dass ich es schaffen werde, mein Leben wieder als Lebenswert und Bedeutsam zu sehen, dann wäre ich vermutlich nicht mehr hier. An meiner Stelle wäre eine Lücke auf dem Familienfoto. 
Ich möchte mich nicht dafür entschuldigen, dass ich Kleinigkeiten im Leben schätze & dies auch nach Außen hin zeige. Ich schätze es noch, wenn ein Marienkäfer vor mir an einer Wand hoch klettert. Ich genieße den Augenblick, wenn die Sonne in meiner Nase kitzelt. Und ich mag es mich selbst immer wieder an die Guten Dinge zu erinnern. Deshalb erzähle ich auch davon. 
Ich möchte mich auch nicht dafür entschuldigen, dass ich das Leben mit einer großen Portion Humor nehme. Anders könnte man all die Idiotie, all den Stumpfsinn, all den Hass, all die Probleme, all das Leid und all die kleinen Sorgen nicht ertragen. 
Ich möchte mich ebenfalls nicht dafür entschuldigen, dass ich immer versuche das Positive in einer Situation zu finden. Ein wenig Optimismus schafft mir jeden Tag ein bisschen Glück. Denn das eigene Glück beginnt in einem Selbst. Durch all das Positive, dass ich aus den Ereignissen ziehe, wird es für mich erst Lebenswert und Wunderschön. 

Vielleicht siehst du einige Dinge auch ganz genauso und lebst sie nur anders. Vielleicht bist du manchmal auch ein wenig neidisch. Vermutlich denkst du, dass dein Weg der einzig Richtige ist. Und das ist er vermutlich auch: Für dich. Aber nicht für mich. Mein Weg ist ein anderen & damit musst du dich arrangieren. 

Bis Bald.
Anja. 

4. Oktober 2017

Ich hab dich so lieb. Manchmal lieber als mich.

Du und ich. Auf dem Weg nach Hause. Heute ist einer der besonderen Tage. Der Tage, an denen du mich abholst - vom Kindergarten. Es ist Herbst. Glaube ich. Es hat zumindest geregnet und das Laub ist nass. Aber ist warm genug um mit dem Rad zu fahren und ich habe Gummistiefel an. Ich sitze auf deinem Fahrrad - auf dieser komischen Querstange, die so ein Herrenrad nun 'mal hat. Ich bin unsicher, muss mich ganz schön festhalten - aber du hältst mich. Mit deinen Händen am Lenker - und den Armen links und rechts an mir vorbei. Huch. "Stopp!", rufe ich. Du drückst auf die Bremse. Ich habe einen meiner Stiefel verloren. Du willst nicht schon wieder mit einer Schwester heim kommen, die einen Stiefel verloren hat. Du rollst wieder zurück und hebst ihn auf. So dass ich keine nassen Füße bekomme.

"Anja. Meine Frau hat mich verlassen." - zum zweiten Mal musst du Worte wie diese formen. Zum zweiten Mal sitzt du im Auto - alkoholisiert. Ich habe Briefe und Momente in meinem Hinterkopf. Gedanken und Erlebnisse an die ich ungern zurück denke. Und diesmal versprichst du mir stark zu sein., dich in keine gefährliche Situation zu bringen. Nun muss ich dich halten: Nicht so wie du mich damals auf dem Fahrrad. Als kleine Schwester gebe ich mein Bestes dich zu unterstützen. Dich zu halten, trotz der vielen Kilometer zwischen uns.

"Frank. Nicht, dass wir einbrechen." - "Schau, die Kinder laufen Schlittschuhe, da passiert schon nix." Es ist wieder einer dieser Tage, an denen mich mein großer Bruder von der KiTa abholt. Mit dem Schlitten. Es hat geschneit. Der Teich im Ort ist zugefroren und du ziehst mich hinüber - über die Eisdecke, weil der Weg so kürzer ist. Vermutlich bist du als Teenie ziemlich genervt davon mich abzuholen - aber für mich ist es aufregend - eine Art Abenteuer. - Und den Weg über's Eis haben wir gemeistert - ohne einzubrechen.

Heute ist 2017 - wir sind beide gefühlt schon zehn mal in einen eiskalten See eingebrochen. Und wir kletterten wieder hinaus. Wir haben vieles gelernt - vieles erlebt . Und auch wenn wir es nicht immer sagen oder zeigen: Es ist klar, dass wir zusammen halten. 
Das Verhältnis zwischen großem Bruder und kleiner Schwester ist etwas besonderes. Du bist mein Beschützer, der der zu mir hält und trotzdem seine Meinung sagt. Jemand, über den ich fluchen kann und den ich trotzdem gern bei mir habe. Du bist irgendwas zwischen Vater und Kumpel - zwischen König und Hofnarr. Irgendwas zwischen Vertrauen und nötigem Abstand. Ich weiß, auf dich kann ich bauen, wenn ich falle. Und du kannst es andersherum. Manchmal brauchen wir dafür gar nicht viele Worte. Manchmal nutzen wir einfach, dass wir einen ähnlichen Humor haben. 

"Ich hab dich so lieb. Manchmal lieber als mich."
Julia Engelmann - Für meinen Bruder. 



28. September 2017

Abschied



Abschied. Manchmal zwingt einen der Tod dazu. Manchmal eine andere Person oder die Umstände. Manchmal geht er von einem selbst aus. Manchmal kommt er schleichend, manchmal plötzlich. Aber eines ist er nie: Einfach.
In den vergangenen Wochen und Monaten habe ich viele Abschiede erlebt. Erleben müssen. Und ich meine wirklich nicht den Abschied auf Zeit - auch wenn dieser genauso schmerzt. Nein. Ich meine jenen Abschied für die Ewigkeit.
Ich habe dieses Jahr zwei Freundschaften aufgegeben und abgeschlossen. Jeder dieser Abschiede war anders. Eine gab ich auf, weil ich einfach nicht mit der neuen Lebensführung klar komme. Es klingt hart. Aber ich habe aussortiert, was mich runter zieht, mich zu sehr beschäftigt. Ich weiß, dass die Person diese Lebensführung nicht ändern wird - aus verschiedensten Gründen. Und ich weiß, dass ich mich damit nicht länger aufhalten will.  Der andere Abschied war schwerer für mich. Es ist schwer für mich all die Erinnerungen und gemeinsamen Momente, das Vertrauen und all das, von dem ich dachte, es verbinde uns, gehen zu lassen. Ich habe gekämpft - es versucht - aber die Gegenseite ging nicht darauf ein. Ich hätte gern noch einige "Kleinigkeiten", die irgendwie zwischen und stehen, geklärt. Diese Chance wurde mir verwehrt. Und langsam realisiere ich, dass dieser Abschied wohl richtig ist, dass es gut ist abzuschließen - nicht zu warten...
Für mich ganz allein habe ich mich von meinem leben der letzten Jahre verabschiedet - wozu auch ein Beziehungsende gehört. Dieser Abschied war für mich eine Berg-und-Tal-Fahrt. Lange habe ich gehadert, der Kopf gearbeitet, die Laune gelitten und am Ende ist es vor allem eines: Befreiend. Ich habe mich von Sorgen, Ängsten und Zurückhaltung verabschiedet, sagte Tschüss zu Unklarheiten, negativen Gefühlen und dem absoluten Chaos. Ich nahm mich selbst an die Hand: Auf eine Reise zu mir selbst. Vielleicht habe ich sie noch nicht beendet. Vielleicht ist auch der Weg das Ziel & die stätige Veränderung, der Sinn dieses Weges. Doch ich spüre, dass ich auf einem guten Kurs unterwegs bin.
Und dann, dann kam ein Abschied, den ich so nicht erwartet hätte - von dem ich nicht dachte, dass er so schnell eintritt. Es traf mich mitten ins Herz. . . Manche Menschen schaffen es einem emotional und menschlich näher zu kommen als man es erwartet - als sie es sollten. Man baut Vertrauen auf und schafft eine Verbindung. Ich habe nie bewusst gemerkt, wie aus einer beruflichen Beziehung auch eine private wurde. Eine Person mit unglaublicher Kraft, Lebensfreude, Humor, Liebe und Spaß am Leben. Ein Platz an den man gerne kommt, wo man ehrlich sein kann - ein Geheimnis anvertraut. Wo man Scherze macht, aber auch ernst sein kann. Leider erklärte uns das Schicksal dann, dass es einem sehr schnell und einfach einen Strich durch die Rechnung machen kann. Dass nichts für immer ist. Der Tod tritt dort ein, wo er - gefühlt - noch nicht sollte. Und zurück bleiben Fragen und ein leerer Platz. 

Trotz all den negativen, schmerzhaften Seiten eines Abschiedes: Ich weiß, dass jedes Ende auch ein Anfang ist. Ich weiß, dass vieles eine Frage der Perspektive ist - eine Frage des Blickwinkels, aus dem man es betrachtet. Das Leben geht weiter und es kommen neue Erfahrungen auf mich zu gerollt, mit jedem Herzschlag. Und genau deshalb durchschreite ich dieses Leben lieber in aufrechter Körperhaltung und einem Blick nach vorn. Auch wenn man die bereits gegangen Schritte nie vergessen sollte, so läuft der Weg des Lebens weiter.  Und ich bin überzeugt: Auch wenn ein Abschied nicht einfach ist und verdammt weh tun kann, hält er eine wichtige Chance für uns bereit. 



In Gedenken an L.J. (1931-2017) 
Danke für das Vertrauen & die Lebensfreude.
Auf das Leben & die Liebe.
Ruhe in Frieden. 

20. September 2017

Mein König.

"Einmal Hölle und zurück
Auf der Jagd nach schnellem Glück
Mein Herz zu oft verloren
War kaputt und fast erfror'n  "


Mein Superheld hat weder Cape, noch Anzug noch Superkräfte. Und doch ist er der größte Held für mich. Mein Vorbild, mein Beschützer, mein doppelter Boden, mein Fels in der Brandung, mein König - der Superheld ohne Cape. Und auch, wenn er nicht durch die Luft fliegen kann, keinen Laserblick hat, sich nicht Verwandeln kann oder alles erstarren lassen kann - hat er für mich jede Menge Superkräfte. Er kann mich zum Lächeln bringen - mit einem Blick, einer Geste, einer Umarmung. Er erkennt, wie ich mich fühle - ohne ein Wort. Er tut sein Bestes, damit ich das Beste habe & versucht mich auf meinem Weg in diese Welt zu unterstützen. Er kann fast alles handwerkliche, er kann kochen, tanzen, lachen, singen und grillen. Er hat die Kraft meinen Akku vollkommen aufzuladen, mir Sicherheit zu geben, mir aber auch meine Freiheit und Lebensfreude zu schenken. Er kämpft für mein Glück. Wenn es sein muss - allein. 

"Ich weiß: Keiner kennt mich so wie du
Meine Narben, meine Wut
Ich kann dich alles fragen & dir auch alles sagen
Und doch...
So viele Lieder schrieb ich dir
Doch keines klingt so schön wie wir
Manchmal hab ich so 'ne Angst, das mit uns hier zu verlieren"

Ich habe lange gekämpft um meine Abgründe zu verbergen. Ihm nicht zu zeigen, dass der Kummer und das Leid über mich hinein brachen und mich nach unten drückten. Und doch, hat er mich zum kämpfen bewegt. Mir mit Kleinigkeiten jedes Mal gezeigt, dass ich etwas Wert bin - dass ich mehr Wert bin als ich dachte, als mir meine Depression vorgaukeln wollte. Er war einer der Gründe, für mich, für dieses Leben zu kämpfen. Er zeigte mir einen Teil dieser Welt & seiner Welt. Ich habe gelernt ihm wieder so zu vertrauen, wie ich es als Kind tat. Blind. Und ohne Ängste. Er ist nun wie ein doppelter Boden für meine Seele. 

"Ich kann nur schwer allein sein,
Kann zynisch und gemein sein.
Manchmal tu ich mir selber weh:
Wenn die alten Wunden brennen
Und ich will einfach rennen.
Dann legst du deine Hände auf."

Er ist derjenige, auf dessen Einschätzungen, ich bauen kann. Neben denen meiner Mutter. Er erkennt, was jemand im Schilde führt, was hinter der Schale steckt. Was gut ist & was nicht. Auch das musste ich erst lernen. Heute weiß ich, dass jeder "Kämpfer" an meiner Seite, den er akzeptiert, dort den richtigen Platz hat. Er erkennt, wer die Richtige Begleitung für mein Leben ist. Wer mir helfen wird, dieses Leben zu meistern und zu lieben, wenn er mal nicht mehr ist. Doch ich hoffe, dass dieser Moment erst in einer sehr fernen Zukunft eintritt. Doch bis dahin sattelt er mit mir meine Armee, hilft uns zu schwimmen, zu schießen & Probleme zu lösen. 

"Egal was auch passiert, du steigst für mich in jeden Ring
Du tötest jeden Drachen und machst mich zur Königin
Und ich will nur,dass du weißt: ich bin immer da für dich"

Ja. Meine Armee. Denn er ist mein König. Er beschützt sein Königreich & hilft mir meines zu erbauen. Er gibt mir Stück für Stück ein wenig von seinem Königreich ab, zeigt mir, wie ich es schützen kann, vergrößern kann, wie ich dort lange & glücklich leben kann. Ich bin seine Prinzessin - doch irgendwann werde ich zur Königin werden & darauf bereitet er mich vor. Ich hoffe, dass ich ihm irgendwann einen Prinzen vorstelle, der sein Reich mit meinem verbindet & meinem König & Superhelden, die Zuversicht gibt, dass ich für immer glücklich und aufrecht stehend durch dieses Königreich gehen werde. Ich bin dankbar. Für alles, was er für mich gibt, was er für mich schafft.

Wer dieser Superheld & König ist? Mein Papa. 

Alles Gute zum Geburtstag. Ich kann heute leider nicht bei dir sein, aber du weißt, in Gedanken bin ich es - immer. Ich hab dich lieb.